Hugo Kükelhaus (*1900) starb 1984. Seine Ideen und Konzepte sind aber lebendiger denn je. Kükelhaus Warnungen vor den negativen Folgen der Entwicklung unserer Gesellschaften haben sich bestätigt. Es lohnt sich, ihm zuzuhören. Eine Vortrags-CD ist erhältlich bei Schloß Freudenberg

Menschen, die sich umfassend über das Erfahrungsfeld, Hugo Kükelhaus und die Sinnespädagogik bilden wollen, gehen bitte auf die Webseite der Hugo-Kükelhaus-Gesellschaft

Sinne - unser Tor zur Umwelt
lautet ein Beitrag auf Lehrer-online, der Materialien für den Unterricht über die Sinne bietet.

Stadt- und Landkindheit im 21.Jahrhundert
Ein Radiobeitrag des SWR2 zum download

Schule und Zeit
Ein Radiobeitrag des SWR2 zum download

Über Riechrezeptoren und Aromen
Ein Radiobeitrag des SWR2
Manuskript, Podcast, Blog link zum SWR2

Vom Sinn der Sinne

Nicht nur die Muskeln schwinden, wenn man sie vernachlässigt, sondern offenbar auch die Sinne. Der Tastsinn verliert bei unzureichender Stimulation zusehends an Schärfe. Hugo Kükelhaus Warnung vor den Folgen der Nicht-Inanspruchnahme der sinnlichen Erfahrungs- und Bewegungsmöglichkeiten des menschlichen Körpers wird durch die Ergebnisse einer fundierten Studie bestätigt. (FAZ v.14.5.09) Also: Schärft Eure Sinne!

Ein Bericht zum Schwinden der Sinne: Verfahrene Situation. Die Benutzung von Navigationsgeräten schwächt den Orientierungssinn. Süddeutsche Zeitung Magazin vom 7.5.2010 als pdf

Gleichgewicht (vestibuläres System)
Stationen des Parcours: Balancierbalken, Balancierscheibe, Wackelbalken, Wackelhölzer

Der Gleichgewichtssinn dient zur Feststellung der Körperhaltung und Orientierung im Raum. Er hat sein Zentrum im Innenohr und Kleinhirn, ist aber eng mit den Augen und anderen Sinnen verbunden. Zum Gleichgewichtssinn gehört das Empfinden für oben/unten, für Drehungen, Winkel bzw. Neigungen und Rhythmus sowie für Beschleunigungen in allen Richtungen. Die Anregung des Gleichgewichtsinns steigert die Integrationsfähigkeit des zentralen Nervensystems hinsichtlich der Haltung, Gleichgewichtsreaktion, Koordination und Konzentration.
Zu wenig Reizung wie bei langem Sitzen oder Liegen oder zuviel Reizung wie beim Fahren auf einer Achterbahn oder auf einem Schiff im Sturm bringt den Menschen aus der Balance: Bewegungen in einer Richtung kann man besser vertragen als Bewegungen in verschiedene Richtungen gleichzeitig. Aufrechtes Stehen und Vorwärtsbewegungen sind bei Reizüberforderung besser als Liegen und Rückwärtsgehen.
Wie jeder Sinn kann das vestibuläre System durch Reiztraining so entwickelt werden, dass einem beim Karussellfahren immer weniger übel wird, sondern man immer mehr Spass hat.

Berührungsempfinden - Haut-Tastsinn ( taktiles System)
Stationen: Tastgalerie, Barfußpfad

Bei der Geburt ist der Tastsinn der von allen Sinnen am besten entwickelte. Taktile Reize wie Tasten und Berühren fördern die allgemeine neurologische Integration und Sensibilität des Organismus für weitere sensorische Wahrnehmungen. Die volle Entfaltung des Tastsinns durch vielfältige Berührungserfahrungen ist eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung sämtlicher Formen von Intelligenz: der sozialen, emotionalen und auch der kognitiven. Die Haut ist ein wesentliches Medium der Kontaktaufnahme und Kommunikation. Berührungen bekommen im Laufe der Entwicklung des Kindes Bedeutungen: Wärme, Vertrauen, Geborgenheit, Sicherheit. Diese sind absolut wichtige Bausteine für die psychisch-emotionale Entwicklung.

Bewegungsempfinden (kinästhetisches System)
Stationen: Partnerschaukel, Balancierscheibe

Unsere Lage und Bewegung im Raum und die Kräfte und Spannungen, die auf uns wirken, können wir zum Teil durch den visuellen Sinn erfahren, am besten aber mit dem Lage- und Bewegungsempfinden spüren. Die für die Tiefensensibilität zuständigen Rezeptoren befinden sich über den gesamten Körper verstreut in den Muskeln, Sehnen, Bändern und Gelenkkapseln. Kinästhetische Reize werden deswegen direkt aus der Bewegung und direkt aus dem Körper mitgeteilt. Mangelnde Bewegung lässt dieses wichtige Sensorium verkümmern. Geringe Stabilität bei allen Körperbewegungen wie z.B. Gehen und Greifen und unsichere Reaktionen auf äußere Einflüsse sind die Folge.

Koordination
Stationen: Balancierscheibe, Wackelbalken, Wackelhölzer

Koordination bedeutet ein harmonisches Zusammenspiel zwischen Knochen, Sehnen, Gelenken, Muskelgruppen, damit bestimmte Körperbewegungen zustande kommen. Exakte Einzelbewegungen und das Zusammenspiel ganzer Muskelgruppen ermöglichen flüssige und leichte Körperbewegungen. Zentralnervensystem und Skelettmuskulatur können nur zusammenarbeiten, wenn die Verarbeitung taktiler und kinästhetischer Informationen sensibel und schnell erfolgt. Darüber hinaus wirkt eine gute Koordinationsfähigkeit positiv auf Persönlichkeit und Verhalten.

Hören (akustisches oder auditives System)
Stationen: Dendrophon, Hörrohre

Der Hörsinn reagiert auf Schallwellen und ermöglicht die Wahrnehmung und Unterscheidung von Geräuschen, Tönen und Klängen. Er hilft uns einerseits bei der Orientierung im Raum und andererseits bei der Verständigung untereinander, der Kommunikation.
Unsere Ohrmuscheln unterstützen das Innenohr bei der akustischen Raumerkennung und Abschätzung von Entfernungen, wie wir es von der Stereophonie her kennen.

Sehen (optisches oder visuelles System)
Stationen: Spirale, Trichter und Kegel

Menschen sind Augenwesen. Die optische Wahrnehmung entfernter Gegenstände oder Personen erlaubt präzise Orientierung. Auge und Tastsinn ergänzen sich bei der genauen Untersuchung von Objekten. Die ersten Schriftzeichen waren vereinfachte bildliche Darstellungen von Objekten und Sachverhalten. Menschen träumen in Bildern. Und mehr als die Hälfte der Reize aus der Umwelt werden von den Augen aufgenommen und ans Gehirn geleitet.
Das Auge ist das dominante Sinnessystem und wird gerade deshalb von den Medien mit optischen Reizen massiv angesprochen.

Riechen (olfaktorisches System)
alle Gerüche in Dorf, Natur, Wald

Dem Geruchssinn wird oft eine geringe Bedeutung beigemessen. Er hat aber neben der Funktion, vor schädlichen Stoffen durch unangenehme Gerüche zu warnen, eine wichtige Aufgabe bei der Speicherung und Erinnerung von Erlebnissen und Eindrücken. Emotionen, Gefühle und Gerüche sind im Gehirn mit Lebenserfahrungen gekoppelt. Ein bestimmter Geruch kann schlagartig die Erinnerung an spezifische Ereignisse wecken. Im Hintergrund, unbewusst, wirken Gerüche mit bei der Bewertung von sozialen Kontakten: der Duft des geliebten Menschen (meist durch Parfum unterstützt) oder aber die Abneigung, wenn man jemanden nicht riechen kann.

Schmecken (gustatorisches System)
die Nahrung, die ich esse

Säuglinge ertasten Objekte mit dem Mund und erschmecken so ihre direkte Umwelt. Hände und Mund arbeiten dabei zusammen. Erst nach sechs Monaten beginnt der Sinnesapparat sich zu differenzieren, entwickeln sich die anderen Sinne heran. Heutzutage scheinen Zunge und Nase des normalen Menschen eher stiefmütterliche Existenzen zu führen. Wenn Tomaten wie Äpfel nach nichts schmecken, alte aromatische Obst- und Gemüsesorten verschwinden und künstliche Aromen Erdbeeren im Quark suggerieren, gibt es für die Zunge immer weniger zu unterscheiden und das Gehirn verlernt den wahren Geschmack von Nahrungsmitteln. Weinkenner und Feinschmecker haben dagegen einen hoch entwickelten Geschmackssinn. Für sie sind Blindverkostungen Sinnesolympiaden.